Pressemitteilungen über einen Bericht des Leibnitz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin (IGB) hatten jüngst die Mitglieder des Gernsbacher Angelsportvereins „Petri-Heil“ aufgeschreckt: Zum ersten Mal ist die Bachforelle (Salmo trutta) in der aktualisierten Roten Liste als „gefährdet“ eingestuft worden. Der Bestand wird laut IGB nun in fünf Bundesländern als rückläufig eingeschätzt - darunter sind Bayern und Baden-Württemberg, wo es einst große Bestände gegeben hat.
Als Begründung wurde angegeben: "Ein großes Problem ist, dass uns als Gesellschaft oft andere Funktionen vor allem der Fließgewässer wichtiger sind: u.a. Hochwasserschutz, Stromerzeugung, Wasserentnahme, Wärmeeinleitung.“ In den letzten Jahren hinzu gekommen ist insbesondere auch der Klimawandel. Uferbäume, zumeist Schwarzerlen, werden entfernt, weil sie bei Hochwasser ein ungehindertes Abfließen der Wassermassen erschweren. Damit verringert sich die Beschattung der Wasserflächen, so dass sich diese in den Sommermonaten wesentlich schneller und stärker erwärmen.
Die Fischereiforschungsstelle Langenargen hatte im Jahre 2022 untersucht, wie sich der Klimawandel auf die Fische, insbesondere die Bachforelle in Baden-Württemberg auswirken könnte und kommt zu dem Ergebnis: „Die Bachforelle fühlt sich in kühleren Gewässern wohl und ist bislang noch landesweit verbreitet. Sollte der Klimawandel weiter voranschreiten, könnte sich das jedoch bald ändern. Denn ihr gehe nach und nach geeigneter Lebensraum verloren, bis Ende des Jahrhunderts um über 90 Prozent“ heißt es in der Studie. „Vorkommen würde die Bachforelle dann nur noch in Höhenlagen der Mittelgebirge und des Alpenvorlands.“
In einer der letzten Präsidiumssitzungen hatte die Vereinsleitung des Gernsbacher Sportfischervereins „Petri-Heil“ daher auch beschlossen, im Rahmen der Ausbildung ihrer Anglerjugend, in den Sommermonaten an verschiedenen Stellen ihres Murgloses von den Jugendlichen regelmäßige Temperaturmessungen vornehmen zu lassen.
Der Gernsbacher Sportfischerverein „Petri-Heil“ hatte in den ersten Jahren seines Bestehens vor 50 Jahren in der Regel im Frühjahr fangfähige Forellen (zumeist waren das damals die in den Zuchtbetrieben rasch wachsenden Regenbogenforellen) in sein Murglos Nr. 6, das von der Reichenbachmündung bis zur Hoeschbrücke reicht, eingesetzt. Damit sollte erreicht werden, dass seinen Mitgliedern das Anglerglück in der Murg gesichert war.
Seither hat sich viel verändert, der mit dem Regierungspräsidium abgeschlossene Pachtvertrag – zuletzt verlängert am 01.04.2020 – sieht seit Jahren nur noch vor, dass Forellenbrut bzw. einjährige Jungforellen und zwar ausschließlich Bachforellen eingesetzt werden dürfen. Da junge Fische an bevorzugter Stelle auf dem Speiseplan der auch bei uns heimisch gewordenen Kormorane stehen, sah sich der Gernsbacher Sportfischerverein, wie in den Jahren zuvor, auch in diesem Frühjahr veranlasst, in der letzten Februarwoche rd. 2.000 einjährige etwa 13-15 cm große Bachforellen an verschiedenen Stellen ihres Murgloses, zumeist im Mündungsbereich der Seitenbäche einzusetzen. Diese Bereiche sind, so die Ansicht der Gernsbacher Petrijünger, wahrscheinlich kühler und sauerstoffreicher als andere Flachwasserzonen der Murg. Diese Besatzmaßnahme soll dazu dienen, den noch bestehenden gesunden natürlichen Fischbestand in der Murg zu erhalten.
Ein gefährliches Leben steht den jungen Bachforellen trotzdem bevor. Zuerst müssen sie sich die passenden Unterstände unter ausgespülten Wurzeln der Uferböschung oder hinter kleinen oder größeren Murgwacken suchen, sofern diese noch nicht besetzt sind. Wenn dann im Sommer die Wassertemperatur steigt, ist ihnen ein Hinabtauchen in tiefere und etwas kühlere Gumpen verwehrt, denn dort jagt der Kormoran. Zumeist bleiben sie dann eher in den wärmeren Flachwasserzonen, in denen der Kormoran nicht auf Nahrungssuche geht. Sofern sich in diesen Zonen die Wassertemperatur über 25° erwärmt, stellen die Bachforellen jedoch ihre Nahrungsaufnahme und damit auch ihr Wachstum ein und nicht selten verhungern sie dann.
Die eingesetzten jungen Bachforellen kamen aus heimischer Aufzucht und zwar vom zertifizierten Fischzuchtbetrieb Harald Rieber in Staufenberg. Harald Rieber und sein Sohn Kai Rieber sowie Mit-Jugendwart Martin Spenger nahmen unter den neugierigen Augen ihres Nachwuchses die Besatzmaßnahme vor.
… die dann ans Murgufer gebracht werden …
… wo die kleinen Forellen dann in ihre neue Umgebung entlassen werden.
Natürlich wird auch beobachtet, wie sie die neue Umgebung annehmen. Es war gute Sicht in der Murg und man sah, wie sich die kleinen Forellen gleich in die leichte Strömung begaben und sich Murg aufwärts ausrichteten.
Hier werden die kleinen Bachforellen in den Reichenbach, wenige Meter vor der Mündung in die Murg in die Freiheit entlassen.
Das Umladen der Bachforellen aus den mit Sauerstoff belüfteten Transportbehältern in kleinere Gefäße …